Arbeitsgemeinschaft Essener Geschichtsinitiativen
im FORUM Geschichtskultur an Ruhr und Emscher eV.

 

Bergbau- und Heimatmuseum im Paulushof
Der Museumskreis ist ein offener Kreis der ev. Kirchengemeinde Essen-Heisingen
Kontaktanschrift: Renate Linder, Barkhovenallee 89, 45239 Essen, Tel. 0201-406066;
Fax 0201-4099673
 

Ur-Heisingen lag im Hochgebirge

Vor etwas mehr als 300 Millionen Jahren lag unsere Heimat am Südrand eines grossen Meeresbeckens in einer sumpfigen Landschaft mit üppiger Flora. Es wuchsen zahlreiche Pflanzen, vor allem Farne, und bis zu 30 Metern hohe Bäume. Allerdings lag diese Gegend damals viel weiter südlich in einer Zone mit feuchtwarmen Klima, am Rand eines Riesenkontinents, der alle Landmassen der Erde umfasste.
Als sich der Meeresboden absenkte, wurde die gesamte Flora vom Wasser luftdicht abgeschlossen, und von dem südlich gelegenen Gebirge wurde mit den Flüssen Geröll ins Meer transportiert, das sich über den versunkenen Pflanzen absetzte und diese mit der Zeit immer weiter verdichtete, bis daraus zunächst Torf und viel später das erste Kohlenflöz entstand. Das Geröll verfestigte sich zu Sandstein oder Sandschiefer.
Es folgte eine Zeit, in der die Absenkung des Meeresbodens nachließ und eine neue Flora entstehen konnte. Dieser Vorgang wiederholte sich mehrfach. So wurden etwa 230 unterschiedlich mächtige Flöze gebildet, je nach Dauer der einzelnen Senkungsperioden. Im Verlauf von ca. 10 Mill. Jahren hat sich so im sogenannten Oberkarbon eine Gesteinsschicht von 3300 Metern gebildet, in die Kohlenschichten von zusammen 145 Meter eingebettet waren. Wirtschaftlich abbaubar sind allerdings nur rund 50 Flöze.
Durch eine von Südost nach Nordwest fortschreitende Faltung der Karbonschichten entstand dann in unserer Urheimat ein bis zu über 7000 Meter hohes Gebirge. Ausgehend von den geologischen Strukturen im heutigen Erdinneren, die durch den bis zu 1000 Meter tiefen Bergbau sicher erschlossen sind, hat Herr Dr. Kurt Burger, ein Heisinger Bürger, den Verlauf des damaligen Gebirges im Essener Süden rekonstruiert (siehe Abbildung). Das Bild zeigt einen Vertikalschnitt durch das Gebirge über 18 km Länge auf der Linie Uni Essen, Rathaus, Stadtwald (Zeche Gottfried Wilhelm), Heisingen (Zeche Carl Funke), Kupferdreh (Zeche Adler) bis Langenberg.
Man erkennt auf dem Bild, dass im Norden, im Bereich des heutigen Südostviertels der Stadt, der Wattenscheider Hauptgebirgszug mit 6300 m Höhe verlief, die Höhen südlich von Kupferdreh fast 7000 m betrugen und unser Heimatort inmitten einer Mulde in ungefähr 3100 m Höhe lag. Durch den bis zur heutigen Zeit anhaltenden Verwitterungsprozess wurde das Gebirge abgetragen und es entstand die heutige Landschaftsform.
Die Abbildung ist im Bergbau- und Heimatmuseum im Paulushof, Stemmering 18, zu sehen. Dieses Museum gibt darüber hinaus Auskunft über frühzeitliche und heutige Abbaumethoden, die ersten Stollenbetriebe bis hin zur Tiefbauzeche Carl-Funke, über alte Urkunden und die Geschichte der Essener Steinkohlenbergwerke AG, sowie über die Heimatgeschichte Heisingens mit seinen einst 24 Bauernhöfen, die bereits im 14.Jahrhundert bestanden haben.
Ein Besuch des Museums, der kostenlos ist, lohnt sich. Anmeldungen unter der Telefonnummer 8466-0. Zu Führungen stehen Mitglieder des Museumskreises gern zur Verfügung.
Dr. Schräer