Arbeitsgemeinschaft Essener Geschichtsinitiativen
im FORUM Geschichtskultur an Ruhr und Emscher eV.

 

INFO Nr. 13 September  2002

 FLUGPLATZ Gelsenkirchen-Essen-Rotthausen

Vor 90 Jahren wurde der Flugplatz Gelsenkirchen-Essen-Rotthausen mit einer mehrtägigen Flugveranstaltung eröffnet. Acht Flieger und ein Zeppelin präsentierten sich vor mehreren Zehntausend Zuschauern.

Damit war ein seit 1910 gehegter Traum in Erfüllung gegangen. Wohlhabende Bürger in Essen, Gelsenkirchen und vielen anderen Städten, Kreisen und Gemeinden im Industriebezirk hatten sich in mehreren Luftfahrtvereinen organisiert. Sie verfolgten ganz allgemein das Ziel, die Luftfahrt 'beliebt zu machen', Luftsport zu betreiben und die Atmosphäre zu erforschen. Der Niederrheinische Verein für Luftschiffahrt (NVfL) und die Rheinisch-Westfälische Motorluftschiffgesellschaft propagierten erfolgreich einen Flugplatz im Ruhrgebiet, der in oder nahe bei Essen liegen sollte. Es gelang ihnen, einen so großen Einfluß auf die Kommunen zu nehmen, dass sich Gelsenkirchen, Rotthausen, Stadt und Landkreis Essen sowie die Gemeinde Stoppenberg mit einigen privaten Gesellschaftern im März 1912 zur Gründung des Flugplatzes Gelsenkirchen-Essen-Rotthausen entschlossen. Die Betonung der angeblichen militärischen Erforderlichkeit und die bestehende oder sich andeutende Konkurrenz in Holten, Wanne-Herten und Dortmund ließen die hiesigen Stadtväter tief in die kommunalen Kassen greifen.

Bereits nach zwei Jahren hatten Mißwirtschaft, Fehlentscheidungen und Vertragsunklarheiten das Grundkapital der Betriebsgesellschaft von 700.000 Mark verzehrt. Die örtlichen Flugschulen und Bauanstalten waren abgewandert oder standen ebenfalls vor dem Konkurs. Die Gesellschafter waren zerstritten und die Stadt Essen begann sich in einem mehrjährigen Prozess aus der Gesellschaft zurückzuziehen. Zollverein hatte mittlerweile das Gelände erworben und kündigte die Nichtverlängerung der Pachtverträge nach Ablauf der zwanzigjährigen Pachtzeit an.

Der Erste Weltkrieg hatte auch für das kommunale Luftfahrtengagement weitreichende Folgen: Die Liquidation der ortsansässigen Kondor Flugzeugwerke wurde gestoppt. Die Kondorwerke etablierten sich als Flugschule und Flugzeugfabrik. Bis Kriegsende wurden in Rotthausen rund 480 Flugzeuge gebaut und ca. 1200 Menschen beschäftigt. Zugleich entstanden bereits um 1917 globale Planungen für einen zivilen Luftverkehr.

Dies stieß auf reges Interesse der Stadt Essen, die fortan nach einem 'Zentralbahnhof des Luftverkehrs' strebte. Essen trat der Betriebsgesellschaft wieder bei, übernahm letztlich sogar die Mehrheit und investierte große Summen in den Aufbau eines zivilen Verkehrsflughafens. Dies war jedoch nicht mehr Rotthausen. Der Flugplatz litt unter den Flugbeschränkungen des Versailler Vertrags und vor allem unter den Geländeansprüchen der Zeche Zollverein.1925 wurde unter Essener Federführung die Luftverkehrsgesellschaft Ruhrgebiet gegründet und ein neuer Flugplatz zunächst bei Dorsten, dann zwischen Essen und Mülheim angelegt. Der Flugplatz Gelsenkirchen-Essen-Rotthausen diente bis zu seiner Schließung hauptsächlich den Mitgliedern der Luftfahrtvereine, die nun nicht mehr ausschließlich mit Gasballons fuhren, sondern mit kleinen Leichtflugzeugen den motorisierten Flugsport pflegten.

 Über die Arbeit der Sammlung Essener Luftfahrtgeschichte

Die Forschungsergebnisse der Sammlung Essener Luftfahrtgeschichte sind seit kurzem nachlesbar. Das Buch 'Glück ab! Frühe Luftfahrt im Revier' ist nun im Buchhandel erhältlich und beschreibt aus Essener Perspektive die Geschichte der Luftfahrt im Revier. In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg initiierte die Stadt Essen als eine der ersten Kommunen im Deutschen Reich verschiedene Maßnahmen, um die 'Luftfahrt zu fördern'. Dahinter standen Interessen und Bedürfnisse der bürgerlichen Oberschicht aus Essen und den umliegenden Gemeinden. In dem Buch 'Glück ab!' wird dieser Entwicklung vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis in die Mitte der 20er Jahre nachgegangen. Es bietet eine Synthese von sorgfältiger Rekonstruktion im Detail und struktureller Analyse eines gesellschaftlichen und kulturellen Wandlungsprozesses. Das Buch ist nicht nur ein Beitrag zur Geschichte des Essener Bürgertums und der Stadt Essen im frühen 20. Jahrhundert, sondern auch zur Technikgeschichte und zur Bürgertumsgeschichte im allgemeinen.

Die Sammlung Essener Luftfahrtgeschichte... 

... archiviert Schriftgut und Bildmaterial zur Frühgeschichte der Luftfahrt im Ruhrgebiet. Schwerpunkte sind die bürgerlichen Luftfahrtvereine, die kommunalpolitischen Konzeptionen von 1900 bis zur Gegenwart und die gewerbliche Nutzung der Luftfahrttechnologie im Ruhrgebiet seit ihren Anfängen.

Die Sammlung umfasst etwa 2000 Titel an Schriftgut und ca. 500 Fotos und Illustrationen.

Der Zeppelin über dem Stadtpanorama war eine vielfach anzutreffende Darstellung jener Zeit. In Ermangelung geeigneter Fotografien wurden in den Zeitungen Federzeichnungen veröffentlicht. Eine besonders schöne Darstellung erschien nach der Landung in Essen im Rheinisch-Westfälischen Anzeiger vom 21. September 1909. 

Der Flieger Josef Suwelack trat mit der Idee für den Bau eines Eindeckers nach der Art der damals beliebten "Taube" in die Kondor-Flugzeugwerke ein. Mehr als zwei Dutzend Maschinen wurden zwischen 1912 und 1915 gebaut. Dieses Exemplar nahm an dem Flugwettbewerb in Gotha 1913 teil.

 Glück ab! Frühe Luftfahrt im Revier. Klartext-Verlag Essen 2002

Vom Sturzacker zum Weltflughafen. Essener Luftfahrtplanungen (1909 bis 1925). In: War die Zukunft früher besser? Visionen für das Ruhrgebiet. Verlag Peter Pomp. Bottrop – Essen 2000, S. 187 - 198

Kampfflugzeuge und Piloten für das Vaterland. Die Kondor-Flugzeugwerke GmbH, Essen-Ruhr. Industrie.Kultur. Nr. 4/2000, S. 12 - 13

 Anfragen, Anregungen und Angebote für die Materialsammlung bitte an:

Guido Rißmann-Ottow, (0201) 60 09 35