Arbeitsgemeinschaft Essener Geschichtsinitiativen
im FORUM Geschichtskultur an Ruhr und Emscher eV.

 

INFO Nr. 11 September 2001

Stichtag: September 1911
Essener Ballonfahrer beginnen mit den Planungen für den ersten Essener Flugplatz
D
er Essener Ballonfahrer und Sektionsvorsitzende Karl Bamler berichtete im ersten eigenen Jahrbuch des Niederrheinischen Vereins für Luftschiffahrt über das vergangene Geschäftsjahr und über die Pläne für die Zukunft.
In den Jahren 1909/10 hatte man sich im Flugzeugbau versucht. Zunächst entstand ein Gleitflieger, der von einer Rampe gestartet wurde. Dann wurde der Apparat zum Motorflieger umgebaut und erprobt. Auch wenn die Flugversuche mit einem Bruch endeten, die Förderung der motorisierten Luftfahrt wurde zur wesentlichsten Aufgabe des Vereins. Hierzu gehörte vor allem die Forderung nach einem Flugplatz. Die meisten Mitglieder des Vereins kamen aus dem Ruhrgebiet und Essen war der Sitz dieser Vereinssektion, aus der übrigens der heutige Luftfahrtverein Essen hervorging. Zunächst wurden die an die Stadt Essen grenzenden Ruhrwiesen in Überruhr dazu ausgewählt, wo auch die eigenen Fluggeräte ausprobiert worden waren. Im Laufe des Jahres 1911 verlagerte sich das Interesse nach Rotthausen. Die nahe der Stadt Gelsenkirchen liegende Gemeinde gehörte damals noch zum Landkreis Essen. So entstanden im Herbst 1911 die Pläne für die Einrichtung eines Flugplatzes Gelsenkirchen-Essen-Rotthausen. Einrichtung und Betrieb des Flugplatzes oblag praktisch den Mitgliedern des Niederrheinischen Vereins und einem zweiten befreundeten Essener Luftfahrtverein. Die Finanzierung übernahmen die umliegenden Städte und Gemeinden. Große Flugtage gab es dort, Flugschulen und eine Flugzeugfabrik entstanden bis zum Ersten Weltkrieg. Das städtische Interesse an einem eigenen Flughafen blieb in Essen auch erhalten, als aus ökonomischen und politischen Gründen der Platz bei Rotthausen aufgegeben werden musste. Die Gründung des Flughafens Essen-Mülheim im Jahre 1925 war die konsequente Weiterführung dieses Luftfahrtengagements, das sich die Essener Mitglieder des Niederrheinischen Vereins seit 1911 auf ihre Fahne geschrieben hatten.
Die Sammlung Essener Luftfahrtgeschichte... 
... archiviert Schriftgut und Bildmaterial zur Frühgeschichte der Luftfahrt im Ruhrgebiet. Schwerpunkte sind die bürgerlichen Luftfahrtvereine, die kommunalpolitischen Konzeptionen von 1908 bis zur Gegenwart und die gewerbliche Nutzung der Luftfahrttechnologie im Ruhrgebiet seit ihren Anfängen.
Die Sammlung umfasst etwa 2000 Titel an Schriftgut und ca. 500 Fotos und Illustrationen.
Auf Grundlage der Sammlung entstanden verschiedene Vorträge und Aufsätze, u. a.:
Vom Sturzacker zum Weltflughafen. Essener Luftfahrtplanungen (1909 bis 1925). In: War die Zukunft früher besser? Visionen für das Ruhrgebiet. Verlag Peter Pomp. Bottrop – Essen 2000, S. 187 - 198
Kampfflugzeuge und Piloten für das Vaterland. Die Kondor-Flugzeugwerke GmbH, Essen-Ruhr. Industrie.Kultur. Nr. 4/2000, S. 12 - 13
Anfragen, Anregungen und Angebote für die Materialsammlung bitte an:
Guido Rißmann-Ottow, (0201) 60 09 35

 

Titelseite des ersten Jahrbuchs der Niederrheinischen Vereins für Luftschiffahrt. Neben weiteren Aufsätzen, enthält dieses Jahrbuch zahlreiche Statistiken und Tabellen.

Der Gleitflieger der Essener Sektion des NVfL. Im Sommer oder Herbst 1909 wurde dieser Apparat von Vereinsmitglieder gebaut und erprobt. Vor allem sollte damit das Fliegen gelernt werden.