Arbeitsgemeinschaft Essener Geschichtsinitiativen
im FORUM Geschichtskultur an Ruhr und Emscher eV.

Essener Luftfahrtdaten und Ereignisse
 
- vor 103 Jahren... wurde im Mai des Jahres 1903 der erste Ballon des Niederrheinischen Vereins für Luftschiffahrt (NVfL) auf den Namen "Barmen", dem Gründungsort getauft.
 
-vor 100 Jahren... erhielt Frau Hilde Bamler als erste Frau in Deutschland das Ballonführerpatent. Im selben Jahr gelingt der Ballonbesatzung Schulte-Herbrüggen/Preill bei einer Wettfahrt ein Rekord,da sie mit dem Ballon "Bochum" 50Stunden in der Luft waren.
 
-vor 95 Jahren...flog im Januar 1913 das erste Flugzeug über Essen. Der Pilot war Josef Suwelack. Er wurde dafür von der damaligen Führung der Stadt Essen mit einem silbernen Becher geehrt.
Gustav Krupp von Bohlen und Halbach spendet dem NVfL einen Ballon, welcher auf dem Namen "Heinrich Hertz" getauft wird und stellt dem Verein Finanzmittel zum Ankauf von zwei Flugzeugen zur Verfügung. Auf dem Flugplatz in Rotthausen findet die Jubiläumsflugwoche statt.
 
-vor 90 Jahren...verunglückte im Mai 1918 bei Heisingen ein sogenannter Großbomber. Alle sieben Besatzungsmitglieder kamen dabei um. Die Kondor-Flugzeugwerke in Rotthausen entwickeln das letzte Jagdflugzeug in der Firmengeschichte, eine Konstruktion in Hochdeckerbauweise, welche aber wegen des Kriegsendes (1.Weltkrieg) nicht mehr zum Einsatz gelangt. Die verschiedenen örtlichen Sektionen des NVfL werden selbständig.
 
-vor 85 Jahren...Die französische Besetzung des Ruhrgebietes 1923 macht jegliche Luftfahrtbestrebungen unmöglich.Trotzdem konstruiert und baut der junge Ingenieur Walter Gliemann aus Essen auf dem Dachboden seines elterlichen Hauses einen Segelgleiter und brachte ihn später, heimlich aus Essen und der französisch besetzten Zone geschmuggelt, zur Wasserkuppe im Rhöngebirge, um ihn dort zu fliegen.
 
vor 80 Jahren...findet 1928 das Gordon-Bennet Rennen für Freiballone in den USA erstmals wieder mit deutscher Beteiligung statt. Für den Luftfahrtverein Essen startet die Besatzung Eimermacher/Zech. Die Ozeanflieger Köhl und Von Hünefeld landen auf dem Flughafen Essen/Mülheim und werden begeistert empfangen.
 
vor 75 Jahren...findet 1933 die Deutsche Luftsportausstellung in der Messe Essen statt. Alexander Dahl macht in über 11000 Meter Höhe aus dem Ballon "Bartsch von Sigsfeld",welcher vom Startplatz in Gelsenkirchen-Schalke bei der Glückauf-Kampfbahn aufgestiegen ist, eine erste Photographie von der Erdkrümmung. Der Luftfahrtverein Ruhrgau e.V. wird gegründet.
 
vor 70 Jahren...wird der Flughafen Essen/Mülheim zum "Zentralflughafen Ruhrgebiet" ernannt.
 
vor 65 Jahren...die schwersten Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg erfolgen ab 1943 gegen das Ruhrgebiet und somit auch gegen Essen. Auch diese folgenschweren Tatsachen gehören zur Luftfahrtgeschichte Essens.
 
vor 60 Jahren...wurde 1948 der "Modell-Gleitflug-Club-Essen" von der alliierten Militärregierung als einer der ersten luftfahrtbezogenen Vereine in Westdeutschland als Modellflug-Verein zugelassen.
 

vor 55 Jahren...1953 bekommt der Luftfahrtverein Essen(LVE) seinen ersten Ballon nach dem Kriege,welcher "Stadt Essen-Ruhrgas" getauft wird. Der LVE bekommt sein zweites Segelflugzeug,eine Grunau III. Dieser Segler mit dem Kennzeichen D-5108 wird in der Gruga auf den Namen "Burgwallbronn" bezeichnenderweise mit Mineralwasser getauft. Der Segelflugverein "Steeler Spatzen" wird gegründet.
Die Deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt (DVL) richtet sich auf dem Flughafen Essen/Mülheim ein.
 
vor 50 Jahren...die DVL verläßt den Standort Essen und zieht wegen besserer Rahmenbedingungen zum heutigen Sitz nach Köln.
 
vor 45 Jahren...ereignete sich am Osterwochenende 1963 das wohl schwerste Ballonunglück bei dem sieben Personen zu Tode gekommen sind. Der mit Wasserstoff gefüllte Ballon "Stadt Essen-Ruhrgas" explodierte nach der Landung auf einer Wiese in Herbede-Kämpen (Witten) beim Gasablaß.
Nach diesem schlimmen Ereignis wurden die Sicherheits- und Handhabungsmaßnahmen in den Luftfahrtvereinen hinsichtlich Freiballone entsprechend verbessert bzw. verschärft.
Ende Juni "Großflugtag Rhein-Ruhr" auf dem Flughafen Essen/Mülheim .
 
vor 40 Jahren...wird 1968 auf dem Flughafen Essen/Mülheim eine sogenannte Nachtflugbefeuerung installiert.
 
vor 30 Jahren...bekommt die Abteilung Ballonfahrt des LVE den ersten Heißluftballon, welcher "Messer-Griesheim" heißt.
 
vor 25 Jahren...starten 1983 im Hallopark in Essen-Stoppenberg mehrere Ballons zum sogenannten "Puderquasten-Derby" zu einer Wettfahrt, welche ausschließlich von Frauen bestritten wird. Für Essen nehmen die Frauen Gerda Barleben mit dem Ballon D-Ruhrgas und Ingrid Nagel auf D-Karstadt teil. Ingrid Nagel belegte Platz 3. Gerda Barleben landete auf einem Feldweg bei Köln-Königsforst, wurde allerdings Letzte und erhielt daraufhin eine Puderquaste.
Anläßlich des 200. Jahrestages des ersten Ballonaufstiegs im Jahre 1783 findet auf dem Place de la Concorde in Paris ein Ballonstart mit zahlreichen Heißluftballons statt. Der Luftfahrtverein Essen ist ebenfalls bei diesem Ereignis mit einem Heißluftballon vertreten.
 
vor 10 Jahren...1998 befindet sich der Flughafen Essen/Mülheim in einem juristischen Tauziehen. Der Flughafenbetrieb wird durch ein rechtsgültiges Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf bis 2034 festgeschrieben. Vorausgegangen ist eine langjährige Diskussion über die mögliche Schließung des Flughafens. Der Aero-Club Mülheim/Ruhr e.V. erwirkte letztendlich mit Unterstützung der Arbeitsgemeinschaft Flughafen und Ökologie Essen/Mülheim e.V. und Fachjuristen dieses wegweisende Gerichtsurteil.
 
vor 5 Jahren...beginnen Planungen zur Zukunft des Flughafen Essen/Mülheim. Verschiedene Konzepte werden entwickelt und in der Folgezeit zum Teil realisiert.
 
2008...findet am 1.Juni auf dem Flughafen Essen/Mülheim anläßlich der Feierlichkeiten zum 200sten Stadtjubiläum der Stadt Mülheim an der Ruhr ein Großflugtag statt. Gezeigt wird historische und zeitgenössische Flugtechnik.

Die Arbeitsgemeinschaft Flughafen und Ökologie Essen/Mülheim e.V (AGFÖ) hat eine neue Seite im Weltnetz , welche unter www.agfoe.eu  aufgerufen werden kann. An der Darstellung des geschichtlichen Bereiches hat sich das Essener Luftfahrtarchiv beteiligt.
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Das Fliegerdenkmal in Heisingen
 

Am 6.Mai des Jahres 1918 ereignete sich bei Heisingen, welches heute ein Stadtteil von Essen ist, ein schweres und tragisches Flugzeugunglück. Der Erste Weltkrieg tobte noch über Europa. Überall litten die Menschen schwere Not und an den Fronten waren die Soldaten des Kriegshandwerkes verdrossen. An jenem Frühjahrestagmorgen zerschellte ein Flugzeug des Typs Staaken R.XIV, einem Bomber, auf einer Anhöhe am Rande des Ruhrtales. Die Besatzung dieses Flugzeuges kam dabei ums Leben. Vermutlich hatte der Pilot die Orientierung verloren und flog in das vom Nebel verhüllte Ruhrtal. Das Flugzeug ist in Hannover gestartet und das Ziel hieß Köln. An Bord der Maschine befanden sich der Sergeant Otto Aust, Gefreiter Jakob Burgmayer, Gefreiter Siegfried Henning, Flieger Wilfried Klaunburg, Unteroffizier Bruno Perwas, Leutnant Waldemar Potempa und Oberleutnant Hans Thümmler. Die sieben Besatzungsmitglieder wurden in der Jugendhalle zu Heisingen aufgebahrt und die Totenmesse wurde unter großer Anteilnahme der Einwohner Heisingens durchgeführt. Nach der Trauerfeier wurden die verstorbenen Flieger in ihre Heimatorte überführt und beigesetzt. An der Unglücksstelle wurde später ein Denkmal errichtet. Das Denkmal befindet sich an einem Seitenweg des Wechselpfad, welcher zur Wuppertaler Straße hinunterführt, auf einer Anhöhe. Gegenwärtig befindet sich das Denkmal, welches an durch einen Flugunfall zu Tode gekommene Menschen erinnert, in einem äußerst beklagenswerten und beschämenden Zustand. In den 1970er Jahren nahm sich die damals noch in der damaligen Kaserne Kupferdreh (Dilldorfer Höhe) stationierte Luftwaffeneinheit der Bundeswehr (Versorgungsregiment 5) in Gemeinschaft mit dem Luftfahrtverein Essen und dem damaligen Gartenamt der Stadt Essen der Pflege des Denkmals an. In den frühen 1990er Jahren ließ die Bürgerschaft Heisingen das Fliegerdenkmal nochmals restaurieren. Was sich aber in den folgenden Jahren an dieser Stelle ereignete möge mit dem Straftatbestand "Störung der Totenruhe" gleichgestellt werden. Auf der Säule befinden sich Farbschmierereien durch und durch und die Vermutung liegt nahe, dass das Denkmal schlichtweg in Vergessenheit geraten ist. Es ist einfach unbegreiflich das in der heutigen Zeit eine kleine Gedenkstätte derart besudelt und verunstaltet werden kann.
Namen und Gedenkworte sind nicht mehr lesbar.
Hat man in der menschlichen Gesellschaft zu Beginn des 21. Jahrhunderts überhaupt kein Ehrgefühl oder Respekt vor den Toten der Kriege mehr ?
Der Text oben an der Säule lautete:
"An dieser Stelle verunglückte am 6. Mai 1918 auf der Fahrt zur Front ein Großflugzeug"
Es folgen die militärischen Dienstgrade und Namen der Verunglückten .
Der Satz am unteren Ende der Säule spricht für sich.....
"Ein Volk ist nicht edel das seine Toten nicht ehrt"
Wir alle sollten über diese Worte mal nachdenken!
Es bleibt im Moment nur der Wunsch und die Hoffnung, dass diese Gedenkstätte in der nächsten Zeit wieder in einem angemessenen und würdigen Zustand versetzt sein wird.
Das Fliegerdenkmal wird in dem 1993 im Verlag Peter Pomp erschienenen Buch mit dem Titel "Denkmal Essen", ISBN 3-89355-086-0 auf der Seite 113 beschrieben.
 
Frank Radzicki
Essener Luftfahrtarchiv