Arbeitsgemeinschaft Essener Geschichtsinitiativen
im FORUM Geschichtskultur an Ruhr und Emscher eV.

 

Vor 35 Jahren - Der "Fliegende Musketier" hebt ab
 
Am 12. August des Jahres 1972, einem Samstag, erfolgte um 8.45 Uhr der erste Start des Luftschiff WDL-1 mit dem Kennzeichen D-LDFM vom Flughafen Essen/Mülheim. An Bord des neuen Luftschiffs befanden sich der Flugkapitän Konrad Heß und der verantwortliche Konstrukteur Richard Gründer.
Die zahlreichen Test- und späteren Werbefahrten ließen im Revier jung und alt die Hälse gen Himmel recken.
"Ein Zeppelin, ein Zeppelin!" So oder ähnlich lauteten die Rufe der Menschen im Ruhrgebiet und anderswo, überall dort wo das Luftschiff am Horizont auftauchte. Die älteren Menschen erinnerten sich noch an den alten "Graf Zeppelin" und an die "Hindenburg". Das schwere und tragische Unglück von 1937 in Lakehurst/USA kam vielen beim Anblick des WDL-Luftschiffes ins Gedächtnis.
Dabei hatte das neue Luftschiff, welches im Auftrage der in Wuppertal ansässigen Wicküler-Brauerei, dem ersten Werbekunden, unterwegs war, nichts mit den eigentlichen Zeppelinen von damals zu tun. Es war völlig anders konstruiert und die Hülle wurde mit dem unbrennbaren Helium anstatt mit Wasserstoff gefüllt. Das Konstruktionsprinzip ist den aus den USA stammenden sogenannten "Blimps" entlehnt, welche über kein Traggerüst und keine Einzelgaszellen verfügen. Lenkbare Ballons also.


Nur einige Wochen später wurde das Luftschiff WDL-2, welches für den Verkauf nach Japan bestimmt war, der Öffentlichkeit vorgestellt. Der schwere Orkan vom 13./14. November 1972 richtete auch schwerste Schäden auf dem Flughafen Essen/Mülheim an. Dabei wurden beide Luftschiffe mit ihrer Halle so zerstört, daß sie erst im Laufe des Jahres 1973 wieder hergerichtet waren. Es entstanden weitere Luftschiffe und diese führten ebenfalls Werbefahrten im Auftrage verschiedener bekannter Firmen durch. Kurzfristig waren auch Passagierfahrten möglich, welche durch Preisauschreibungen ausgelost worden sind. Ebenfalls bestand bis dato die Möglichkeit, eine Mitfahrt käuflich zu buchen. Da der Betrieb eines Luftschiffs, wie früher auch, sehr kostenaufwändig ist, befinden sich auch die Fahrpreise auf einem entsprechenden Niveau.
Gegenwärtig (Stand Herbst 2007) erfolgt für die mittlerweile vier WDL-Luftschiffe die Vorbereitung für den Transport nach China, wo der Einsatz im Rahmen der Olympischen Sommerspiele in Peking 2008 vorgesehen ist.
 
Frank Radzicki