Arbeitsgemeinschaft Essener Geschichtsinitiativen
im FORUM Geschichtskultur an Ruhr und Emscher eV.

Bürgerschaft Kupferdreh e.V. Arbeitskreis Heimatkunde

Kontaktanschrift:  J. Rainer Busch, Postfach 150109, 45241 Essen, Tel. 0201 484071

 „Das Schicksal der jüdischen Bürger von Kupferdreh in der NS Zeit“

Herausgegeben von der Bürgerschaft Kupferdreh e.V. ist im Juni 2007 eine 20 Seiten umfassende Broschüre erschienen, die das Schicksal ehemaliger jüdischer Bürger des Stadtteils vorstellt. Recherchen haben Pfarrer Markus Heitkämper, Wilhelm Kohlmann, Otto Wünnenberg sowie J.Rainer Busch und Peter Brée vom Arbeitskreis Heimatkunde der Bürgerschaft Kupferdreh vorgenommen.
Im Geleitwort schreibt Pfarrer Markus Heitkämper:

„Das Gedenken an die Juden unseres Stadtteils soll einen Wunsch vereiteln: den Wunsch, den die Vernichter jüdischen Lebens einst hatten: Denken und Gedenken an das Judentum auszumerzen…
Wir wollen den Menschen ihre Namen, ihre Gesichter und ihre Geschichten wiedergeben. Dies ist für jede nachgeborene Generation eine immerwährende Verpflichtung. Wir sind es ihnen schuldig.“

Die reich bebilderte Broschüre geht aus von der Feststellung, dass im Jahre 1929 noch 15 Juden in Kupferdreh gewohnt haben sollen. Darunter befanden sich zahlreiche Angehörige der Familien Aron, Kamp und Löwinsohn, deren Leben und Erleben dem Leser vorgestellt werden. Aber auch andere jüdische Bürger aus Kupferdreh finden Erwähnung.
Die Broschüre ist ein lesenswerter Beitrag zur Geschichte Kupferdrehs, zugleich aber auch ein Beitrag zum jüdischen Leben in Essen. Es lohnt sich sie zu lesen.
Text und Gestaltung der Broschüre stammt von J. Rainer Busch.
Gegen eine Schutzgebühr von 1,00 € kann man die Broschüre u. a. bei der Kupferdreher Bürgerschaft und der Evangelischen Kirchengemeinde Kupferdreh erwerben.

Ernst Schmidt
 

Die Autoren,
Pfarrer Markus Heitkämper und J. Rainer Busch

Ehemalige russische Zwangsarbeiterinnen zu Besuch in Essen

Vor 65 Jahren wurden sie aus ihrer Heimat verschleppt und  mussten in Essen Zwangsarbeit leisten.  Nun waren einige von ihnen im Rahmen eines Besuchsprogramms für ehemalige Zwangsarbeiter wieder zu Besuch in Essen. Dieses Programm findet seit 2001 jährlich, auf Einladung des Oberbürgermeisters, statt.

Begleitet vom Historiker Dr. Ernst Schmidt, wurde am Montag (8.10) eine kleine Stadtrundfahrt durchgeführt, bei der man unter anderem eine Gedenkstätte, wo 99 russische Kriegsgefangene bei einem Bombenangriff verschüttet wurden und noch heute begraben liegen, und die Kriegsgräber auf dem Terrassenfriedhof besuchte. Dr. Schmidt machte dazu jeweils interessante Ausführungen.
Man besuchte auch die  Stätten, an der die heute hochbetagten Frauen unter menschenunwürdigen Verhältnissen arbeiten mussten. Zwei der Damen waren auf der Zeche Heinrich in Überruhr eingesetzt. Dort erinnerten sie sich, sichtlich bewegt, an viele Details.  An der Zeche überreichte der Kupferdreher Heimatforscher Rainer Busch den beiden Damen zur Erinnerung sein im vergangenen Jahr erschienenes Buch über den Überruhrer Bergbau, in dem viele Bilder und die Geschichte der Zeche Heinrich enthalten sind.    
Frau Lidija Polewaja ist 1925 in Olenewka auf der Krim (Ukraine) als 17 jähriges Mädchen nach Deutschland verschleppt worden. Sie arbeitete bis September 1943 in der Lampenstube der Zeche, bevor man sie dann ins KZ Ravensbrück gebracht wurde, wo sie nur durch Zufall überlebte.
Frau Agaf Bragina wurde ebenfalls 1942 mit 21 Jahren aus ihrem Dorf bei Jewpatorija auf der Krim verschleppt, ohne sich vorher bei ihren Angehörigen verabschieden zu können. Sie musste dann auf der Zeche Heinrich zunächst unter Tage und später in der Kohlenwäsche arbeiten. Untergebracht waren sie in einem Barackenlager im Deilbachtal, von wo sie täglich mit der Straßenbahn zur Zeche Heinrich fuhren.

Beim anschließenden, gemeinsamen Mittagessen wurden noch gegenseitig viele Fragen gestellt und beantwortet.
 

An der Gedenkstätte: Ausführungen von Dr. Ernst Schmidt 

Vor der ehemaligen Zeche Heinrich.
Von links: Lidija Polewaja (82), Rainer  Busch,  Agaf Bragina (86)