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Beim Aufbau dieses Firmenimperiums spielt die Gegend westlich von Essen, nahe der Mülheimer Grenze, eine wichtige Rolle. Hier unternimmt Haniel in den 1830er Jahren den Versuch, erstmalig im Ruhrgebiet so genannte Mergelschächte niederzubringen. Sie sollen durch das über der Kohle liegende Mergel-Deckgebirge den Weg zur wertvollen Fettkohle eröffnen. Alleine diese Kohlenqualität ist für die Hüttenindustrie nutzbar, weil man sie zu Hochofenkoks niederbrennen kann. Alle bisherigen Versuche, aus Ruhrkohlen solchen Koks zu erzeugen, waren mangels ausreichender Mengen guter Kohle sehr unbefriedigend, wenn nicht gescheitert. Deshalb kommen bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts im Ruhrgebiet fast ausschließlich Holzkohle-Hochöfen zum Einsatz. Doch auch die Holzkohle wird knapp. Allmählich sind alle Wälder im Revier abgeholzt.
Das zentrale Problem des Abbaus von Kohle unter dem Deckgebirge ist das eindringende Grundwasser. Erst nach riesigen Investitionen, besonders in entsprechend dimensionierte Dampfmaschinen und Pumpen eigener Fabrikation, gelingt es Franz Haniel, einen solchen senkrechten Mergelschacht abzuteufen. Neunzehn Monate dauern die Schürfarbeiten in Kaldenhoffs Busch in der „Bauernschaft Schönebeck“. Dann endlich, am 27. März 1834, trifft die frohe Kunde in Ruhrort ein. Der vor Ort leitende Bergmann Stölzel berichtet stolz und mit recht eigenwilliger Orthographie an Franz Haniel:
Es freud mier daß ich die ehre haben kann Herren Haniel die anzeige zu machgen das wier in Kaltenhoffer buß (=Busch) ein Flözt an gebort haben von zwei fuß machtigkeit und denke daß auf jeden fal auf den sonnabend d[en] 29tn Merz Augen Scheines Termin gehalten werden kann worüber Sie bestimte Nachricht bekommen glückauf Stölzel
Bei der „Inaugenscheinnahme“ durch das Oberbergamt stellt sich dann allerdings heraus, dass die Mächtigkeit des Flözes nicht zwei Fuß beträgt, das wären mehr als 60 cm, sondern mit 29 cm lediglich etwa die Hälfte. Das Flöz in 56 Meter Tiefe ist also zu wenig mächtig, die Kohle nicht gut genug und der Schacht ist viel zu eng: Eine Förderung durch diesen Schacht mit dem bezeichnenden Namen „Franz“ kommt somit nicht zustande. Und doch ist dieser Schacht buchstäblich der Durchbruch in eine neue Ära des Ruhrgebiets. Die hier gesammelten Erfahrungen hinsichtlich der regionalen geologischen Gegebenheiten und besonders auch hinsichtlich der einzusetzenden Dampfmaschinen und Pumpen führen zunächst zur ersten fördernden „Mergelzeche“ des Reviers. Sie heißt „Vereinigte Kronprinz“, indem sie den alten Schacht Franz mit einem nicht weit davon niedergebrachten neuen Schacht „Kronprinz von Preußen“ verbindet. Allerdings fördert sie nur wenige Jahre. Das liegt einerseits an den immer wieder eindringenden Wassermassen, andererseits aber auch an der immer noch enttäuschenden Qualität der Kohle. Franz Haniel bleibt trotzdem noch in Schönebeck und beteiligt sich 1840 an der Zeche Wolfsbank, die bald darauf die Förderung aufnimmt. Auch hier hat er kein Glück: Die geförderte Kohle lässt sich nur schwer verwerten.
Über „Franz“, „Kronprinz“ und „Wolfsbank“ führt der Weg aber direkt zu „Zollverein“. Dort oben, in Katernberg, findet Franz Haniel endlich, was er so unermüdlich sucht: Fettkohle in mächtigen Flözen. Jetzt kann er über die gerade fertiggestellte Köln-Mindener Eisenbahn die Hochöfen seiner Gutehoffnungshütte in Oberhausen mit bestem Koks versorgen. Und natürlich werden auch andere Hütten des Reviers zu Abnehmern seines „schwarzen Goldes“. Das Ruhrgebiet hat jetzt, in den 1850er Jahren, erstmals eine solide materielle Basis zur Entfaltung einer Schwerindustrie.
Die Ausstellung in der Alten Cuesterey Borbeck gibt einen Einblick in Franz Haniels Leben und Werk. Sie zeigt seine Herkunft aus dem Speditionshandel, beleuchtet seine Motivation zum Bergbau allgemein und veranschaulicht im Besonderen seine Pionierarbeiten bei Borbeck. Karten, Pläne und andere Dokumente aus dem Haniel Archiv werden hier erstmals der Öffentlichkeit im Original gezeigt. Darunter ist Haniels persönliches Exemplar der alten preußischen Bergordnung und beispielsweise auch die Rechnung des Borbecker Wirts Kaldenhoff, bei dem die Freudenfeier der Bergleute nach dem Flözfund im Schacht Franz stattfand. Das war am 3. April 1834, genau 171 Jahre vor der Eröffnung der Ausstellung in der Alten Cuesterey.
Leihgeber zur Haniel Ausstellung
Zur Ausstellung in der Alten Cuesterey haben eine Reihe von Institutionen und Personen durch Leihgaben beigetragen. An erster Stelle zu nennen ist das Haniel Museum der Firma Haniel & Cie in Duisburg Ruhrort mit vielen wertvollen Exponaten. Dazu gehört zum Beispiel die „Konstruktionszeichnung einer Hochdruck-Dampfmaschine für den Gebrauch von Versuchs-Schächten“ von 1833 und die „Projektirte Flötzkarte der Zeche vereinigte Kronprinz“. Des weiteren hat das Rheinische Industriemuseum Oberhausen einige Ausstellungsstücke aus der St. Anthonyhütte zur Verfügung gestellt. Vom Deutschen Bergbaumuseum Bochum stammen die schöne Risszeichnung der Zeche Sälzer und Neuack und einige bergbauliche Utensilien wie Förderwagen, Gezähekiste und Geleucht, die passenderweise im Gewölbekeller der Alten Cuesterey aufgestellt werden. Herr Matrian und Herr Rudolf aus Dortmund liehen uns selbst gebaute Modelle von Dampfmaschinen aus. Da eine Original-Dampfmaschine wegen seiner Größe nicht aufstellbar gewesen wäre, haben wir uns sehr gefreut, von Herrn Beloch aus Essen-Haarzopf wenigstens einen Original-Fliehkraftregler ausleihen zu dürfen. Aus dem Besitz der Pfarrgemeinde St. Dionysius sind einige passende Dokumente zu sehen. Herr Dr. Baldur Hermans stellte eine originelle Darstellung der heiligen Barbara mit Bergmann zur Verfügung.
Dr. Bernhard Weber-Brosamer
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