Arbeitsgemeinschaft Essener Geschichtsinitiativen
im FORUM Geschichtskultur an Ruhr und Emscher eV.

 

Info Nr. 15 Oktober 2003

EILE UND WEILE

5. Geschichtswettbewerb

12. September 2003 bis 29. Mai 2004

 Das Thema des Wettbewerbs ist nicht das bekannte Oxymoron 'Eile mit Weile', denn dies könnte missverstanden werden, so als ob es mit dem Ruhrgebiet und seinem Wandel nicht pressieren würde. Eher das Gegenteil ist der Fall und der Titel Eile und Weile ist als Anregung zu verstehen, sich mit den ganz unterschiedlichen Geschwindigkeiten der politischen, ökonomischen, ökologischen, sozialen, technischen und kulturellen Veränderungen im Ruhrgebiet zu beschäftigen.

Denn betrachtet man die Jahrhunderte vor der Industrialisierung, so ist es eine Geschichte von langer Dauer: Eine Zeitlang, zwischen dem 12. und ausgehenden 18. Jahrhundert (nicht vorher, als die Christianisierung und Besiedlung eigene Dynamiken entfalteten), schien an der Ruhr die Zeit beinahe still zu stehen. Einige Kundige haben gemeint, das Mittelalter habe bis dahin angedauert, und erst die Industrialisierung hätte das Ruhrland aus dem Schlaf geholt. Ein Film, wenn es ihn denn gäbe, der die Erdoberfläche des Ruhrgebietes im 19. und 20. Jahrhundert im Zeitraffer zeigte, könnte die dann einsetzende überfallartige Geschwindigkeit der Ausdehnung und des Zusammenwachsens der Städte zu Siedlungshaufen und das Emporschießen der Zechentürme, Schornsteine und Fabriken zeigen. Und gar die Zunahme der Geschwindigkeit in diesen Gebäuden und auf den Wegen und Schienen, atemberaubend. Und wenn man in die Köpfe der Menschen schauen könnte, würde man auch heute noch neben hohen Anpassungsleistungen der Beteiligten und Betroffenen, manchen Geistesblitz und Erfindungsgenialitäten auch die langsamen Rhythmen der Wahrnehmung und Verarbeitung der Umstände, das gemächliche Reifen von Gedanken und Verhaltensmustern sehen, wie sie Menschen nun einmal zu eigen sind. Diese Gleichzeitigkeiten und Ungleichzeitigkeiten, die lange Dauer und die kurzen Momente soll der 5. Geschichtswettbewerb zur Betrachtung und zur Verarbeitung zu Beiträgen anregen. Die Themen des Wettbewerbs sind keineswegs auf das Industriezeitalter begrenzt, sondern können weit in die Geschichte der Region zwischen Ruhr und Lippe zurück reichen.

 Veranstalter des 5. Geschichtswettbewerbs Eile und Weile sind das Forum Geschichtskultur an Ruhr und Emscher und der Kommunalverband Ruhrgebiet, Förderer ist das Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes NRW und Unterstützer die Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur. Der Wettbewerb startete am 12. September 2003 und ist bis zum 29. Mai 2004 ausgeschrieben.

 Das Thema ist mit Absicht in produktiver Unschärfe gehalten, damit sich möglichst viele Arbeiten in diesem Rahmen wiederfinden können, und niemand sich als Person oder mit seiner Arbeit ausgegrenzt fühlt.

Beteiligen können sich daher alle, die sich für die Geschichte dieser Region interessieren, die sich hauptberuflich oder neben-/ehrenamtlich, täglich, sporadisch oder erstmalig mit historischen Abläufen und Ereignissen beschäftigen. Der Wettbewerb richtet sich auch an Schüler und Schülerinnen. Die Beiträge müssen nicht extra für den Wettbewerb erstellt werden, dürfen aber nicht älter als drei Jahre sein. Eingereicht werden können Publikationen, Fotoserien, Filme/Videos, Drehbücher, CD-ROMs, Theaterstücke, Aufsätze und anderes als Einzel-, Gruppen- oder Klassenbeiträge.

Es wird ein Sonderpreis für Arbeiten über interkulturelle Beziehungen und Zu- und Einwanderung ins Ruhrgebiet ausgelobt. Das Thema der Interkulturalität ist für das Ruhrgebiet historisch nichts Neues, weil hierhin seit dem 19. Jahrhundert bis heute Menschen in großer Zahl eingewandert sind. Neu aber sind zum Beispiel die Phänomene der globalen Streuung der Herkunftsländer, der nicht nur ökonomisch zu umreißenden Motive und Art und Ausmaß der Kulturdifferenz der Migranten. Der relativ hohe Ausländeranteil von 10 Prozent der etwa 5 Millionen im Ruhrgebiet lebenden Menschen legt eine Beschäftigung mit diesen Themen nahe.

 Die unter allen Beiträgen herausragenden Arbeiten werden mit einer Summe von 30.000 € durch eine interdisziplinär zusammengesetzte Jury ausgezeichnet.

 Der letzte Wettbewerb „... kein Thema. Bild und Gestalt des Ruhrgebietes“ von 1999 bis 2000 konnte 320 Personen zu einer (vielfach) kritischen Auseinandersetzung und intensiven Beschäftigung mit Aspekten der Ruhrgebietsgeschichte bewegen. Auch dieses Mal werden die Beiträge wieder in Kategorien unterteilt: in die von Schülerinnen und Schülern, von historisch interessierten Laien und von wissenschaftlich und journalistisch professionell Arbeitenden.

 Informationen zum Geschichtswettbewerb Eile und Weile enthält ein Faltblatt, das auf telefonische Anfrage gerne zugeschickt wird, sowie das Internet unter „www.eileundweile.de“.

 Organisationsbüro:

Susanne Abeck

Forum Geschichtskultur an Ruhr und Emscher e.V.

Emscherallee 11, 44369 Dortmund

fon 0231/931122-90

fax 0231/931122-10

email info@eileundweile.de

 

Werkstatt "Geschichtsarbeit und historisch-politisches Lernen zum Nationalsozialismus"

13. bis 15. November 2003 in Haus Villigst (Schwerte/Ruhr)

 Ein Schwerpunkt dieser Tagung liegt auf der Tradierung von heterogenen, zum Teil auch sich widersprechenden Geschichtserfahrungen als Bedingung historisch-politischen Lernens. Die aktuellen Diskurse zeigen Erinnerungskonkurrenzen zwischen verschiedenen Katastrophenerfahrungen (Völkermorde, Verfolgungen aus politischen Gründen, Bombenkrieg, Flucht und Vertreibung) des 20. Jahrhunderts an: Steht eine Verallgemeinerung der NS-Erfahrung hin zu einem universellen Menschenrechts-Lernen auf der Tagesordnung? Sind die politisch-pädagogischen Befürchtungen, die oft an plurale Perspektiven geknüpft werden, berechtigt?

 Themen und Referenten sind:

-        Prof. Lutz Niethammer (Universität Jena) - "Erinnerungskonjunkturen der Jahrtausendwende. Gedächtniskonkurrenz und Geschichtskultur“ (Vortrag und Diskussion)

-        Gespräch mit Dr. Alexander von Plato (Institut für Geschichte und Biographie der FernUniversität Hagen): Zur Arbeit des Instituts – Zu den Möglichkeiten des Lüdenscheider Oral-History-Archivs - Zu aktuellen Projekten des Instituts

-        Dr. Gerd Hankel (Hamburger Institut für Sozialforschung) – „Was lässt sich aus Genoziden lernen? Das Beispiel Ruanda“.

 Außerdem Workshops über:

-        Familienerzählungen über den Nationalsozialismus und ihre Bedeutung für Geschichtslernen von Jugendlichen und Erwachsenen- ein Reflexionsworkshop mit Dr. Sabine Moller (Kulturwissenschaftliches Institut NRW) – Moderation: Dr. Heidi Behrens

-        Das Thema Flucht und Vertreibung im öffentlichen Gedächtnis (an den Beispielen der Diskussionen um das Europäische Zentrum gegen Vertreibungen und lokaler Ausstellungen) - mit K. Erik Franzen (Historiker am Collegium Carolinum/Forschungsstelle für die böhmischen Länder, München) und Wulff E. Brebeck (Kreismuseum Wewelsburg – angefragt) – Moderation : Dr. Paul Ciupke

-        Was bewirken Gedenkstättenfahrten? – Konzepte und Erfahrungen - mit Stefan Berger (Gesamtschule Waltrop) und Stefan Querl (Geschichtsort Villa ten Hompel Münster) – Moderation: Dr. Alfons Kenkmann

-        Gedenktag-Gestaltung in Schulen und Kommunen: Praktische Beispiele und Erfahrungen – mit Hildegard Jakobs (Düsseldorf) - Moderation: Dr. Ulrike Schrader

 Veranstalter: Bildungswerk der Humanistischen Union - Arbeitskreis NS-Gedenkstätten NRW - Forum Geschichtskultur an Ruhr und Emscher

Teilnahmebeitrag (einschließlich Übernachtung und Verpflegung) 70 EUR, für Arbeitslose und StudentInnen 50 EUR, bei Teilnahme ohne Übernachtung 35 EUR

Anmeldung und genaues Programm bei: Bildungswerk der Humanistischen Union - Kronprinzenstr. 15, 45128 Essen - Tel.: 0201-227982 - Fax: 0201/235505 - Mail: buero@hu-bildungswerk.de

Tagung „Zwangsarbeit und Erinnerungskultur“, 21. November 2003
10 – 17 Uhr, Kultur- und Stadthistorisches Museum Duisburg
 Eine Tagung am 21. November 2003, die vom Forum mit Unterstützung des Kultur- und 
Stadthistorischen Museums Duisburg ebendort veranstaltet wird, lädt zu einem Rückblick auf 
das bisher Geleistete und zu einem Ausblick auf die zukünftigen Handlungsfelder im 
Zusammenhang mit dem Thema „Zwangsarbeit“ ein. Da in zahlreichen Kommunen des 
Ruhrgebietes inzwischen diesbezügliche Forschungen vorgiegen, wird zu Beginn der 
Tagung Dr. Hans-Christoph Seidel vom Institut für soziale Bewegungen, Leiter des
 Forschungsprojektes „Zwangsarbeit im deutschen Kohlenbergbau“, eine Übersicht 
über den regionalen Forschungsstand unter Berücksichtigung der bisher wenig beachteten 
Themen- und Fragestellungen liefern. Im Anschluss wird Dr. Michael Zimmermann ein
 Podium moderieren, auf dem die unterschiedlichen Formen der mit dem Thema 
„Zwangsarbeit“ verbundenen Erinnerungskultur beispielhaft vorgetragen werden: Publikation, 
Internet-Präsentation, Ausstellung, Vortragsreihe, Geschichtswettbewerb, 
Besucherprogramm u.a. Die Erfahrungen in Bezug auf öffentliche Resonanz, Kinder- und
 Erwachsenenbildung sowie Initiierung eigenständigen, eventuell nachhaltigen Engagements 
sollen dabei zur Diskussion stehen. Neben der Beleuchtung regionaler Aktivitäten werden 
zwei Teilnehmer die besondere Situation in Ostdeutschland schildern. Thomas Fickenwirth, 
der zu Fremd- und Zwangsarbeit in Leipzig während des Zweiten Weltkrieges geforscht hat, 
und Dr. Michael Düsing aus Freiberg, der dort mit Jugendlichen ein 
BesucherInnenprogramm organisiert und durchgeführt hat, werden über Umgang und
 Aufarbeitung des zu DDR-Zeiten verdrängten Themas „Zwangsarbeit“ berichten.
Nach einer Pause, die allen Beteiligten eine Besichtigung der tags zuvor im Stadtarchiv 
Duisburg eröffneten Wanderausstellung „Zwangsarbeit in Rheinland und Westfalen 1939-
1945“ ermöglicht, referiert Dr. Alexander von Plato, Leiter des Instituts für Geschichte und 
Biographie in Lüdenscheid, über die lebensgeschichtliche Befragung ehemaliger "Ostarbeiter 
und -arbeiterinnen", bei der es neben der Erfahrung der Zwangsarbeit vor allem auch um die
Folgen nach der Rückkehr in die Heimat und die Verarbeitung ging. Im Anschluss und damit 
zum Ende der Tagung wird ein Vertreter der „Stiftung Erinnerung, Verantwortung und 
Zukunft“ über die bisherigen Erfahrungen der Stiftung und über den dort eingerichteten 
Zukunftsfonds und dessen Förderprogramme Auskunft geben.
Für Vereine besteht die Möglichkeit, sich und die eigene, mit der Thematik „Zwangsarbeit“ 
geleistete Arbeit zu präsentieren. Für Fragen wenden Sie sich bitte an Susanne Abeck, 
Geschäftsstelle des Forums (0231/931122-90).