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INFO NR. 13 September 2002
Schnadegang 2002
Am Sonntag, dem 5. Mai 2002 veranstaltete der Heimatgeschichtskreis Eiberg den in den Tageszeitungen angekündigten diesjährigen Schnadegang, d.h. den heimatkundlichen Spaziergang mit Besichtigung von Grenzpunkten der ehemals selbständigen Gemeinde Eiberg.
Dieses Mal ging es zum Eisenbahnmuseum, das direkt am südwestlichen Grenzpunkt Eibergs liegt. Auf dem Weg dorthin hatten wir schon hinter der S-Bahnunterführung eine bergbaufachliche Führung durch Herrn Mertens, der uns zuerst das Gelände der ehemaligen Großzeche Eiberg erklärte, die von enormer wirtschaftlicher Bedeutung für die damalige Bevölkerung war. Es wäre gut, wenn an diesem Standort heute ein Hinweisschild mit Gedenkstein für die damaligen Grubenopfer angebracht werden könnte. Wegen des verseuchten Geländes wurde die heutige Bebauung mit viel Aufwand betrieben. Ferner erfuhren wir, dass in unmittelbarer Nähe zwischen Zechengelände und Eisenbahn nach dem 2. Weltkrieg ein Kriegsgefangenenlager für Polen und Ukrainer eingerichtet war.
Nach Überschreiten der Mecklenbecke erreichten wir bei der ehemaligen Eiberger Wassermühle Horster Gebiet. Aufwärts an der Straßenbiegung Dahlhauser Straße/lmandtstraße hielten wir einen Moment inne. Rechts neben dem dortigen neuen Gebäude der Behindertenwerkstätten des Franz-Sales-Hauses befand sich die uralte Horst-Eiberger Volksschule, gegründet um 1870, die nach dem 2. Weltkrieg noch als Notunterkunft diente. Auf dem Schulhof standen damals zwei Maulbeerbäume, die auf königliches Geheiß zur Seidenraupenzucht angepflanzt worden waren. Links davon stand das Saalbaurestaurant Romberg mit dem berühmten Kaisersaal, in dem die Feierlichkeiten der Gemeinden Horst und Eiberg sowie auch überregionale Vereinsveranstaltungen ausgetragen wurden. Weiter ging es dann den Horst-Dahlhauser Berg hinunter, wo die Dahlhauser Straße über 2 1/2 Monate gesperrt war, weil dort in 180 Bohrlöchern unter der Straße liegende alte bergbauliche Hohlräume aufzuspüren und zu verfüllen waren. Aus diesem Anlass zeigte uns Herr Mertens eine Bergbaukarte, auf der in diesem Abhang über 30 alte Stolleneingänge, Mundlöcher, Luftschächte usw. verzeichnet waren. Wir waren also in eine Gegend gelangt, in der es seit 1700 rege bergbauliche Tätigkeiten gab. Selbst nach dem 2. Weltkrieg wurden einige Stollen wieder reaktiviert, um nach Hausbrandkohle zu suchen.
Nun waren wir an dem südwestlichen Grenzpunkt der Gemeinde Eiberg mit dem zur Gemeinde Dahlhausen abgrenzenden Bach Eybecke angelangt, wo sich auch der Eingang zum Eisenbahnmuseum befindet. Für die einstündige sachkundige Führung wurden wir vom Museumsleiter Herrn Vogelsang herzlich empfangen. Uns erwartete ein überwältigender Eindruck! Dabei konnte Herr Vogelsang in der Kürze der Zeit uns noch nicht einmal alles zeigen! Vom Schienenfahrrad des Stellwerkers bis zu Riesendampfrössern von über 100.000 PS, Dampfloks von 1883 bis zur letzten 1955 in Auftrag gegebenen deutschen Dampflok waren alle wichtigen Stationen der Eisenbahngeschichte zu sehen. Wussten Sie schon, dass betriebsbereite Dampfloks, die über das öffentliche Schienennetz fahren, alle acht Jahre unabhängig von der erbrachten Fahrleistung bis auf die letzte Schraube auseinandergenommen und wieder fachmännisch zusammengesetzt werden müssen? Das wird in unserem Eisenbahnmuseum alles ehrenamtlich geleistet. Interessant waren auch die alten Eisenbahnwaggons 1. - 4. Klasse. Ein ausrangierter Personenwaggon aus dem Baujahr 1899 wurde von den Eisenbahnern in einem Eifeler Waldstück in der Funktion einer Jagdhütte entdeckt. Mit einem Riesenkran wurde er schließlich über die Baumwipfel aus dem Wald gehoben und ins Eisenbahnmuseum befördert. Der zweitälteste noch
erhaltene deutsche Personenwaggon aus dem Jahr 1861 befindet sich ebenfalls in unserem Eisenbahnmuseum. Er hatte zuletzt in einem entlegenen ostdeutschen Dorf ohne Fahrgestell als Waschküche gedient. Auch eine heimatliche Modelllandschaff der Ruhr bei Steele nebst der noch vorhandenen Kohlenförderung auf dem Wasserweg und der beginnenden Förderung per Eisenbahn war zu bestaunen.
Es war ein Schnadegang, der manch eine Teilnehmerin und manch einen Teilnehmer motiviert hat, eine an jedem 3. Sonntag angebotene Fahrt mit dem Museumszug anzunehmen. Da das Eisenbahnmuseum als gemeinnützig anerkannt ist, wertete der Museumsleiter unser Eintrittsgeld als Spende für einen guten Zweck. Er braucht nämlich im wahrsten Sinne viel Kohle, denn nur Fettkohle, die beim Glühen nicht zusammenbackt, ist für die Dampflokomotiven geeignet. Diese gibt es nur noch für eine kurze Zeit in Recklinghausen. Dann muss er sie von England einkaufen.
Am 18. September 2002 beginnt der Heimatgeschichtskreis Eiberg die Veranstaltungsreihe des 2. Halbjahres mit einem
Diavortrag: „Zum Stadtjubiläum: Sagengeschichten aus Essen“ 19.30 Uhr im Gemeindezentrum Albert-Schweizer-Straße 2.
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