Arbeitsgemeinschaft Essener Geschichtsinitiativen
im FORUM Geschichtskultur an Ruhr und Emscher eV.

Heimat- und Burgverein Essen-Burgaltendorf
Kontaktanschrift: Dieter Bonnekamp, Mühlenweg 33c, 45289 Essen, Tel 0201-571531

Heinrich Kämpchen
Am 23. Mai 1847 wurde in einem kleinen Fachwerkhäuschen, das hier stand, der Familie Kämpchen ein Sohn geboren. Er wurde auf den Namen Heinrich getauft.
Als er nach seinem Tode am 6. März 1912 in (Bochum-) Linden beerdigt wurde, folgten tausende Trauernder seinem Sarg. Noch heute, fast 100 danach, wird sein Grab dort in Ehren gehalten.
Heinrich Kämpchen wurde Bergmann, wie sein Vater, wie der Großvater. So spürte er schmerzhaft den sozialen Wandel, dem dieser Stand  in jenen Jahren unterworfen war. Aus bevorzugten „Bergleuten“ wurden geknechtete „Bergarbeiter“.

Es besaß die Fähigkeit, die sozialen und sicherheitsrelevanten Probleme im Bergbau zu erkennen und auszudrücken. Das machte ihn ab 1889 zum Delegierten und Sprecher seiner Kollegen der Lindener Zeche Hasenwinkel. Auch für die „Bergarbeiter-Zeitung“ beklagte er wöchentlich in Gedichten die Missstände auf den Zechen; sie wurden stets auf der ersten Seite veröffentlicht.
Unternehmer und Staat antworteten mit Bespitzelung und Aussperrung. Seinen Unterhalt verdiente er danach mit dem Verkauf von Zigarren auf dem Lindener Markt und mit seinen Artikeln für die Bergarbeiter-Zeitung.

Er fand so auch Zeit, seine Heimat, das Ruhrtal, zu beschreiben. Besonders sein Geburtsort Altendorf-Ruhr mit seiner grünen Idylle und den von der Großmutter überlieferten Sagen war Inhalt vieler Gedichte, die er in drei Bänden veröffentlicht hat. Eine Hymne auf seinen Geburtsort ist ein Gedicht, das wie folgt beginnt:

Mein Altendorf, du liebliches Gelände
Am schönen Ruhrafluß, ich grüße dich!
In dir hab ich das Licht der Welt erblickt,
und meine Wiege hast geschaukelt du
mit Lust und Zärtlichkeit, viellieber Ort.

Heinrich Kämpchen gilt als der bedeutendste Arbeiterdichter seiner Zeit. Die Literatur über ihn ist sehr umfangreich. Besonderes Ansehen genoss er in der ehemaligen DDR.
In mehreren Ruhrgebietsstädten sind Straßen nach ihm benannt, natürlich auch in unserem Stadtteil Burgaltendorf.

Für seinen Grabstein hat Heinrich Kämpchen zu Lebzeiten ein vierzeiliges Gedicht verfasst, das heute noch dort zu lesen ist:

Blickt hin zur Gruft, die ihr vorüber geht!
Ein Sohn des Volkes schläft hier, ein Poet.
Für Recht und Freiheit hat sein Herz geglüht.
Er war ein Kämpfer und sein Schwert das Lied.

Evangelische Schule von 1829
Dieses Haus war die erste evangelische Schule des benachbarten (Hattingen-) Niederwenigern. Hier wurde von 1829 bis 1899 Schulunterricht für die evangelischen Kinder von Niederwenigern, Altendorf-Ruhr und Dumberg erteilt.

Zuvor hatten die Kinder am katholischen Unterricht in Niederwenigern teilnehmen müssen. Dies wurde aus mehreren Gründen als unbefriedigend empfunden, und man bemühte sich, einen eigenen Unterricht einzurichten.

Ab dem Jahre 1820 wurde in einem Raum über dem Backhaus des Steigers Vondram (heute Haus Haverkamp 7) mit Hilfe der Knappschaftskasse Bochum Unterricht für die evangelischen Kinder erteilt. Der erste Lehrer, Christian Haas, war aus Sprockhövel und zu Beginn 25 Jahre alt. Er und seine Nachfolger mussten gleichzeitig den Organisten- und Küsterdienst an der evangelischen Kirche in Niederwenigern verrichten.

1827 teilte Haas der katholischen Schule in Niederwenigern mit, dass auch 60 katholische Kinder seinen Unterricht besuchten.
1829 war dann dieses Haus fertig gestellt. Der Mitbesitzer der Burg Altendorf, Herr Sombart, hatte für das Fundament Steine der Burg zur Verfügung gestellt.
Zu dieser Zeit war die Zahl der Schüler/innen schon auf über 100 angestiegen. Das Platzproblem besserte sich, als ab 1847 die katholischen Kinder in Altendorf-Ruhr einen eigenen Unterricht bekamen - in einer Gaststätte im heutigen Schwarzensteinweg und ab 1860 in der damals neuen Burgschule.
Als 1887 bei einer Schulinspektion keines der Kinder das „Preußenlied“ singen konnte, wurde der damalige Lehrer Hackemann nach 40 Jahren in den vorzeitigen Ruhestand versetzt. Sein Nachfolger, Lehrer Pennekamp, wurde nach vier Jahren versetzt. Er hatte bei einer Veranstaltung statt eines Hochs auf Kaiser und König nur ein dumpfes Pfeifen vernehmen lassen.
70 Jahre wurde in diesem Hause Unterricht erteilt, bevor 1899 eine neue, größere evangelische Schule an der Ecke Alte Hauptstraße – Kohlenstraße entstand.
Nach dem Umzug der Schule richtete der Stellmacher Wörmann in diesem Gebäude eine Werkstatt ein und arbeitete hier bis etwa 1950. Danach wurde in der Werkstatt eine Schleiferei eingerichtet.
Seit 1978 werden hier Autos für Rennen hergerichtet.
 

Lehrer Möllmann mit seinen
 68 Schülerinnen und Schülern

Zeche Theodor
1929 hatte die Überruhrer Gewerkschaft Heinrich Grubenfelder und Anlagen der ehemaligen Zeche Charlotte übernommen. Die Zeche Charlotte hatte seit 1790 im Stollenbetrieb und seit 1832 durch den Schacht Charlotte im Tiefbau Kohlen abgebaut.
Nach Zusammenlegung mit den Feldern der Zechen Steingatt und Prinz Wilhelm sowie Feldern in Eiberg und Höntrop entstand ein neues modernes Bergwerk. Dazu gehörten ein Bürogebäude mit Waschkauen, Anlagen für die Kohlenwäsche, Separation und Sieberei, eine Brikettfabrik (Jahresleistung 264.000 t) und ein Verladebahnhof. Es erhielt 1934 mit dem Abteufen des Schachtes „Theodor 1“ den Namen „Zeche Theodor“.
Dieses Gebäude war das Maschinenhaus des Schachtes „Theodor 1“ der Zeche Theodor. Der Schacht war mit 1060 m (8. Sohle) der tiefste aller Schächte von Zechen an der Ruhr.
1944 wurde der Schacht „Theodor 2“ (ca. 50 m in nordwestlicher Richtung) abgeteuft.
Alle Schächte kamen ohne Fördergerüst aus: Abgeteuft von einem erhöhten Geländepunkt standen die Fördermaschinen direkt über dem Schacht. Sie förderten nur bis in Höhe eines Förderstollens, durch den die Kohle zutage gebracht wurde.
Die höchste Förderung wurde 1967 mit rund 600.000 t bei rund 1.600 Beschäftigten erreicht.
Die Berge, das sind die mit den Kohlen geförderten unbrauchbaren Steine, wurden über einen Bergeschacht auf die Höhe der Straße Charlottenweg gefördert. Von dort wurden sie mittels Förderbändern in den darunter befindlichen ehemaligen Steinbruch „Christinenruh“ gekippt.
1968, mit Beginn der Bergbaukrise, wurde das Bergwerk geschlossen.
 

Kohleaufbereitung (links) und Brikettfabrik (rechts