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Information In den Räumen unseres Vereins lagert ein großer Bestand an Arbeitsmaterial, welches sich in 100 Jahren aktiver Kulturarbeit in Essen angesammelt hat. Das Material entstammt vor allem der Arbeit, die schwerpunktmäßig in den Stadtteilen Altendorf, Altstadt, Bergeborbeck und in Frohnhausen durchgeführt wurde. Auf Grund dieses Bestandes, welches nicht nur aus Dokumenten, Fotos, Büchern, Noten und sonstigem „Flachmaterial“ besteht, kann die Geschichte der mehr oder weniger organisierten Kulturarbeit innerhalb der Arbeiterschaft in diesen Stadtbereichen nachvollzogen werden. Auch sperriges Material, wie die alte Küche und andere Wohnmöbel, Trachten der Volkstanzgruppen, Fotoapparate, Vergrößerungs- und Laborgeräte aus den Dunkelkammern der Arbeiterfotografen, Projektoren, Radiogeräte, Nähmaschinen aus einer Nähstube der Frauenbewegung, eine Siebdruckeinrichtung, Handpuppen verschiedener Puppenbühnen, die verschiedensten Musikinstrumente und... und... und... Beispiel: An Hand der Fotos, die Arbeiterfotografen gemacht haben, kann man sehen, wer bzw. welche Gruppen diese Musikinstrumente gespielt haben. Was sie gespielt haben, kann man dann aus den alten Notenblättern oder Liederbüchern ersehen. Es handelt sich nicht um eine Sammlung. Der Bestand ist einfach noch da, weil unsere Vorgänger, die oft viele Jahrzehnte in den verschiedensten kulturellen Gruppen tätig waren, nichts so schnell fortgeworfen und oft unter Lebensgefahr über die Nazizeit hinübergerettet haben. Auch heute wird dieser Nachlass noch für viele kulturelle Aktivitäten gebraucht. Auf Grund mehrerer plötzlicher und unerwarteter Umzüge wurde alles zum Teil sehr chaotisch verpackt und lagert jetzt dicht gestapelt in verschiedenen Räumen in Frohnhausen und Altendorf, so dass es nur zum Teil zugänglich ist. Eine Sichtung, Aufarbeitung und Inventarisierung wird erst dann möglich sein, wenn geeignete Räume zur Verfügung stehen. Unsere Kulturhalle in Altendorf ist durch dieses Material blockiert. Kulturelle und soziokulturelle Maßnahmen, für die wir diese Räume angemietet haben, können unter der Bezeichnung „Notkultur“ nur sehr eingeschränkt durchgeführt werden. Eine Nutzung als Museum für Alltagskultur – vor allem in den Bereichen Arbeiter-, Kinder- und Jugendkultur, kann bestenfalls nur durch fachbezogene Einzelausstellungen erfolgen. Dabei liegt diese Halle inmitten Altendorfs, einem vom Land anerkannten „Stadtteil mit Erneuerungsbedarf“---! Erneuerungsbedarf--- ?
Die Bibliothek Kultur tagtäglich: Das ist der Titel des in den letzten Jahren meist gelesenen Buches unserer Sachbibliothek. Es wurde von dem Schöpfer des Siedlungsmuseums Eisenheim geschrieben. Mit folgenden Worten beginnt dort Roland Günter einen Artikel:
SELBER LERNEN „Hätte ich doch damals in der Schule besser aufgepasst, heute kann ich das nicht mehr nachholen!“ Ein Satz, den man häufig hört und der trotzdem nicht richtig sein muss. Viele Menschen möchten sich weiterbilden, wissen aber nicht recht, wie sie es anfangen sollen. Dabei sind die Möglichkeiten sehr reichhaltig; es gibt Stadtbüchereien und Fernleihen, Funkkollegs, Abend- und Volkshochschulen und: Bücher! Aus Büchern ist (fast!) alles zu erfahren, was man wissen, können und erfahren möchte..... _________ Danach handelten auch unsere Vorgänger. Deshalb waren Bücher die Grundlage für die Arbeit in den verschiedenen Arbeitsgruppen. Hier war das Wissen verankert welches man brauchte. So sind die Bücher sehr praxisbezogen.
Es war oft schwer für bestimmte Arbeitsgebiete geeignete Sachbücher zu bekommen. Beispiel: deutscher und internationaler Volkstanz. So bereisten wir in den Nachkriegsjahren alle drei Besatzungszonen im deutschen Westen um in den Bibliotheken entsprechende Literatur zu suchen. Fündig wurden wir jedoch erst in der Ostzone, der damaligen DDR. Mit etwa 80 gekauften, wie Volkstanzbeschreibungen, Noten, volkskundliche und weiteren Fachschriften, sowie einigen geschenkten Büchern, die eine Volkstanzgruppe für ihre Arbeit braucht, traten wir die Heimreise an. An der Zonengrenze holten uns westdeutsche Grenzbeamte aus dem Zug. Die Bücher wurden beschlagnahmt und brachten eine Anzeige wegen „Geheimbündelei“ ein. Nach Freispruch und Einstellung des Verfahrens bekamen wir 6 Bücher zurück. Der Rest wurde mit der Begründung einbehalten: „Es handelt sich um politisches Propagandamaterial“. Ähnlich ging es auch Gruppen aus anderen Fachbereichen.
In den 60-er Jahren wurden die Bücher der bestehenden, sowie die der nicht mehr arbeitenden Gruppierungen zusammengefasst, nach Sach- und Fachbereichen gegliedert und Katalogisiert. Auf Grund der vielen Neuzugänge seit dieser Zeit ist eine Neuordnung dringend erforderlich.
Die Gliederung erfolgte in zehn Sachbereichen. Diesen wurden nach Bedarf die verschiedenen Fachbereiche zugegliedert. Besonders wichtig für eine sinnvolle Nutzung der Bibliothek war die Tatsache, dass jedes Fachgebiet noch einmal einheitlich in folgende Bereiche unterteilt wurde:
Allgemeines, geschichtliches und Hintergründe zum Fachgebiet
Anleitungen und Arbeitsweisen (Wie leite ich einen Chor u.a.)
Materialsammlungen (Tanzbeschreibungen, Noten u.a.)
Beschaffungsmöglichkeiten für Arbeitsmaterial (Kataloge, Prospekte, Fachreferenten u.a.)
Eigene und fremde Aktivitäten, Archivmaterial (Zeitungsberichte, Programmhefte u.a.)
Verschiedene Unterlagen (Entwürfe zur Arbeit, eigene Forschung u.a.)
Periodika und Fachzeitschriften
Bis 2001 war die Bibliothek in unseren Räumen in der Berliner Strasse in Frohnhausen untergebracht und stand jedem Interessenten zur Verfügung. Nach Verlust dieser Räume wurden die Bücher in Bananenkartons an zwei Stellen in Altendorf untergebracht. Der größte Teil liegt jedoch in vielen Plastiktüten verpackt und belegt den ganzen Fußboden einer feuchten Werkstatthalle in Frohnhausen, für die wir eine hohe Miete bezahlen müssen.
So sind die Bücher zur Zeit nicht zugänglich, obwohl sie dringend gebraucht werden. Für die Unterbringung ist noch keine Lösung gefunden. In der Kulturhalle in Altendorf möchten wir für diesen Zweck in 2 Metern Höhe längst der Wände eine 15 Meter lange und 3 Meter tiefe Plattform errichten. Leider fehlen uns dazu die finanziellen Mittel. Eine institutionelle Förderung wird uns seit Jahrzehnten verweigert. Dabei ist gerade eine solche Förderung erforderlich, damit wir auch in Zukunft unsere umfangreichen stadtteilbezogenen Projekte durchführen können. Aber damit müssen wir leben, in einem anerkannten Stadtteil mit Erneuerungsbedarf !
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