Arbeitsgemeinschaft Essener Geschichtsinitiativen
im FORUM Geschichtskultur an Ruhr und Emscher eV.

 

INFO Nr. 13 September 2002

Allen Unkenrufen zum Trotz –wir sind noch da! 

Mitten in Altendorf, dem Essener Stadtteil mit Erneuerungsbedarf errichten wir in einer alten Werkstatthalle mit dem Nachlass der ehemals kulturell tätigen Arbeiterschaft ein Museum und eine Begegnungsstätte für Alltagskultur. 

Ohne öffentliche Förderung schaffen wir es nur durch überdurchschnittlichen und unbezahlten (man sagt ehrenamtlichen) Arbeitseinsatz, unser Ziel zu erreichen. Wobei wir die hohen Kosten wie Miete, Arbeitsmaterial, Energie und Verwaltung auch noch selbst bezahlen müssen.  

Für Paläste der Industriekultur werden Millionenbeträge an öffentlichen Geldern zur Verfügung gestellt. Für Einrichtungen der Arbeiterkultur ist kein Geld da. 

Das wir dennoch bis heute überleben konnten, haben wir einer kleinen 50 cm großen geschnitzten Holzfigur zu verdanken. Ihr kennt sie alle: Es ist der alte, gute Kasper - der Ruhrgebietskasper - der „Kasper aus dem Kohlenpott“. 

Demnächst möchten wir in den Geschichtsinfos über die umfangreiche Tätigkeit der   Arbeiterkulturbewegung berichten. Nach und nach werden wir Gruppen, Initiativen und Fachbereiche vorstellen. Den Anfang machen wir heute mit der Puppenbühne „Larifari“.

Vom alten Ruhrgebietskasper

 Nachdem wir in der glücklichen Lage waren, in den 60er und 70er Jahren zwei alte Puppenbühnen zu übernehmen, haben wir uns sofort entschlossen, die Tradition des guten, alten "Kasperletheaters" fortzusetzen. Es waren die Theater "LARIFARI - Rhein-Ruhr-Puppenbühne" des Puppenspielers Erwin Wachtmeister, seit 1929 auch bekannt als "Essener Grugakasperle", und die alten Handpuppen des Essener Kirmeskaspers Hermann Rendschmidt.

 

Aus diesem Anlass durchforsteten wir auch die Archivarien unserer eigenen Einrichtung. Wir wurden fündig. Auch unsere Vorgänger machten in den Jahren vor und nach dem 1. Weltkrieg Puppentheater. Leider waren aus diesem Bereich nur einige Spieltexte vorhanden, die aber für unsere Arbeit sehr von Nutzen waren.

 

Erwin Wachtmeister lernte das Puppenspiel 1912/13 in den Zeltlagern der Jugendbewegung kennen. Er gründete 1919 gemeinsam mit Erich Kummer das Kinderspielunternehmen "Onkel Albert" und die "Ruhrland-Puppenbühne". Schon 1920 trennten sie sich. Erwin Wachtmeister übernahm das Theater und änderte den Namen in LARIFARI - Rhein-Ruhr-Jugendbühne, später -Puppenbühne. Er spielte zuerst mit alten Handpuppen aus dem vorvergangenen Jahrhundert, die er von einer Wanderbühne aus dem Sauerland erhalten hatte. Später ließ er seine Puppen von dem Holzschnitzer und Jugendherbergsvater Emil Wolter herstellen.

Zuerst spielte er auf Festen und in Zeltlagern der damaligen Jugendverbände, in den Kulturvereinen der Arbeiterschaft des Ruhrgebietes, in Fabriken, auf Firmenjubiläen und in den verschiedenen Bürger- und Sportvereinen. Besonders gern war er in den vielen rheinischen und westfälischen Schulen  gesehen. Weitere Stationen seines Lebens waren der jahrzehnte dauernden Einsatz als Grugakasperle. Eine Tradition, die wir über seinen Tod hinaus, bis 1984 fortsetzen konnten. Im Krieg kam der Marschbefehl zum Puppenspiel. Er musste im Frontbereich, in Kasernen, auf Kriegsschiffen und in Lazaretten vor Soldaten spielen. Nach dem Krieg erfolgte der ereignisreiche Neuaufbau der Bühne. Vor seinem Tod konnten wir noch viele Jahre mit ihm zusammenarbeiten und viel von ihm lernen.

 

Gruga Essen

Seit Ende der 60-er Jahre machen wir nun selbst Puppentheater. Unsere Geschichte ist ebenso ereignisreich wie die von Erwin Wachtmeister oder die des Kirmeskaspers Hermann Rendschmidt, dessen Geschichte noch erzählt werden muss.
Wir haben die Bühne in die Arbeit unserer sozialkulturellen Einrichtungen in Essen-Frohnhausen und

Altendorf integriert und arbeiten trotz professioneller Arbeitsweise, gemeinnützig. Die Erträge aus Gastspielgagen etc. dienen ausschließlich der Erhaltung dieser Einrichtungen und seiner sozialkulturellen Aktivitäten in den Bereichen Kinder-, Jugend- und Kulturarbeit.

Unser Repertoire entnehmen wir den schriftlichen und mündlichen Nachlässen dieser Bühnen. Eine Überprüfung auf Ungereimtheiten und eine sorgfältige Überarbeitung war vielfach erforderlich, um die Stücke für die heutige Zeit spielbar und verständlich zu machen. Problemlösungen durch Prügeleien und grausame Szenen gibt es nicht mehr. Dennoch versuchen wir die Ursprünglichkeit und Urwüchsigkeit der Spiele zu erhalten.

Echtes Kasperletheater hat gegenüber früher nichts von seiner Anziehungskraft verloren. Das beweisentausende Kinder und Erwachsene, die Jahr für Jahr unsere Vorstellungen und Puppenspielfeste besuchten. 

Jetzt ist sie 83 alt, unsere Puppenbühne. Damit ist sie, soweit wir feststellen konnten, das älteste noch spielende Kasperletheater im Ruhrgebiet.. Aus diesem Anlass haben wir die am häufigsten gespielten Stücke ausgegraben um mit den "zipfelmützensträubenden Kasperle-Abenteuern" noch einmal viele tausend Kinder zu begeistern.

 Wer noch einmal erleben möchte, wie der alte Ruhrgebietskasper ungezählt viele Kinder in den Schulen begeistert hat; wer das traditionelle Kaspermärchen, welches 1929 zur Eröffnung des Grugaparks gespielt wurde sehen möchte, oder wer wissen will wie der Kasperle in den 30-er Jahren für Sparkassen auf Straßenfesten, auf Spielplätzen, oder im Zeltlager gespielt hat, sollte ihn einmal bestellen. Er ist genau noch so beliebt, wie zu Urgroßmutters Zeiten. Nicht nur Kinder werden von ihm begeistert sein.

 So wünscht sich "Larifari", dass sich bald viele kleine und große Zuschauer an den Aufführungen erfreuen  können.

 Rufen Sie jetzt an:  0201 / 6461081 + 7492289

 Recht herzlich grüßt

Ihr Kasperle Larifari